Arbeitszeugnisse und Bewerbung
Arbeitszeugnis in der Bewerbung: Welche Zeugnisse solltest du mitschicken?
Erfahre, welche Arbeitszeugnisse relevant sind, wie du qualifizierte und einfache Zeugnisse unterscheidest und was bei fehlenden, alten oder aktuellen Dokumenten gilt.

Arbeitszeugnisse belegen, welche Aufgaben du in früheren Beschäftigungen übernommen hast und wie deine Arbeit eingeschätzt wurde. Sie gehören aber nicht automatisch vollständig in jede Bewerbung. Wähle die Dokumente nach Aktualität, Relevanz und Vorgaben der Stelle aus.
In Deutschland wird zwischen einfachem und qualifiziertem Arbeitszeugnis unterschieden. Ein qualifiziertes Zeugnis enthält neben Art und Dauer der Tätigkeit auch Angaben zu Leistung und Verhalten. Ein Zwischenzeugnis beschreibt ein noch laufendes Arbeitsverhältnis. Diese Unterschiede helfen dir bei der Auswahl der passenden Anlage.
Warum ist ein Arbeitszeugnis wichtig?
Ein Arbeitszeugnis kann deinen Lebenslauf um eine externe Einschätzung ergänzen. Es zeigt nicht nur, dass du bei einem Arbeitgeber beschäftigt warst, sondern kann auch Aufgaben, Verantwortung, Arbeitsweise und Zusammenarbeit dokumentieren.
| Dokument | Was es typischerweise zeigt | Wann es relevant ist |
|---|---|---|
| Einfaches Arbeitszeugnis | Art und Dauer der Tätigkeit | Wenn eine Beschäftigungsbestätigung genügt |
| Qualifiziertes Arbeitszeugnis | Aufgaben, Leistung und Verhalten | Bei fachlich relevanter Berufserfahrung |
| Zwischenzeugnis | Aktueller Stand eines laufenden Arbeitsverhältnisses | Bei Bewerbung aus bestehender Beschäftigung |
| Praktikumszeugnis | Aufgaben und Erfahrungen im Praktikum | Besonders bei Berufseinstieg oder wenig Berufspraxis |
Ein Arbeitszeugnis ist ein Nachweis, aber kein Ersatz für einen passenden Lebenslauf oder ein gutes Anschreiben. Die Auswahl sollte die Anforderungen der konkreten Stelle unterstützen.
Einfaches und qualifiziertes Arbeitszeugnis
Ein einfaches Arbeitszeugnis beschränkt sich auf Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses. Ein qualifiziertes Zeugnis kann zusätzlich Leistung und Verhalten bewerten. Nach § 109 Gewerbeordnung muss ein Arbeitszeugnis klar und verständlich formuliert sein. Die konkrete rechtliche Bewertung eines Dokuments hängt jedoch vom Einzelfall ab.
Für Bewerbungen ist ein qualifiziertes Zeugnis oft aussagekräftiger, wenn du damit Aufgaben und Leistung für die Zielstelle belegen kannst. Ein einfaches Zeugnis kann trotzdem sinnvoll sein, wenn es die Beschäftigungsdauer bestätigt oder kein qualifiziertes Zeugnis vorliegt.
Arbeitszeugnis und Zwischenzeugnis
Ein Arbeitszeugnis wird typischerweise nach Ende eines Arbeitsverhältnisses ausgestellt. Ein Zwischenzeugnis entsteht während eines laufenden Arbeitsverhältnisses und dokumentiert den bisherigen Stand. Es bestätigt nicht automatisch das Ende der Beschäftigung.
Wenn du dich noch bei deinem aktuellen Arbeitgeber befindest, kann ein Zwischenzeugnis eine sinnvolle Anlage sein, sofern es aktuell und relevant ist. Du musst aber nicht zwingend ein Zwischenzeugnis beifügen, wenn die Ausschreibung es nicht verlangt und du keine passende Beurteilung hast.
Weitere Unterschiede zwischen Abschlusszeugnis und Zwischenzeugnis findest du unter Abschlusszeugnis oder Zwischenzeugnis. Dort geht es auch um Bildungsnachweise und vorläufige Zeugnisse.
Welche Arbeitszeugnisse solltest du mitschicken?
Schicke die Arbeitszeugnisse mit, die deine Eignung für die Zielstelle am besten belegen. Das sind häufig das aktuelle oder letzte qualifizierte Zeugnis und ein bis zwei weitere Nachweise aus fachlich relevanten Tätigkeiten.
- aktuelles oder letztes qualifiziertes Arbeitszeugnis
- Zeugnis aus einer vergleichbaren Position
- Zeugnis mit relevanter Verantwortung oder Fachkenntnis
- Praktikumszeugnis bei Berufseinstieg
- Zwischenzeugnis, wenn du aus einer laufenden Beschäftigung heraus wechselst
Eine vollständige Sammlung aller Nebenjobs und kurzfristigen Beschäftigungen ist nicht immer nötig. Die Anforderungen aus der Ausschreibung haben Vorrang.
Das aktuellste Arbeitszeugnis auswählen
Das aktuellste Zeugnis ist oft der erste Nachweis, den Personalverantwortliche ansehen. Es sollte möglichst vollständig und lesbar sein. Wenn deine aktuelle Tätigkeit für die Zielstelle nicht relevant ist, kann ein älteres, fachlich passenderes Zeugnis zusätzlich wichtiger sein.
Prüfe, ob das Dokument den Arbeitgeber, die Position, den Zeitraum und deine Aufgaben korrekt nennt. Ein sehr aktuelles Zeugnis mit einer kurzen und fachfremden Tätigkeit muss nicht automatisch vor einem älteren, passenden Zeugnis stehen.
Ordne die Dokumente so, dass die relevanteste Information schnell sichtbar wird. Weitere Hinweise zur Anlagenreihenfolge findest du unter Anlagen in der Bewerbung.
Ältere und besonders relevante Zeugnisse
Ein älteres Zeugnis kann weiterhin sinnvoll sein, wenn es eine Kompetenz belegt, die in der neuen Stelle eine zentrale Rolle spielt. Das gilt zum Beispiel für Führungserfahrung, eine spezielle Software, Kundenbetreuung oder eine fachliche Spezialisierung.
Erkläre bei Bedarf im Lebenslauf oder Anschreiben kurz, warum das ältere Dokument relevant ist. Du musst nicht jedes ältere Zeugnis beilegen, nur weil es existiert. Achte darauf, dass die Auswahl nicht den Eindruck erweckt, du würdest aktuelle Unterlagen bewusst auslassen.
Was tun, wenn ein Zeugnis fehlt?
Wenn ein Arbeitszeugnis noch nicht ausgestellt wurde, kannst du die Beschäftigung im Lebenslauf trotzdem angeben. Reiche ein vorhandenes Dokument ein und weise kurz darauf hin, dass das fehlende Zeugnis nachgereicht wird, wenn die Stelle oder das Verfahren dies zulässt.
Beispiel: „Das Arbeitszeugnis meines letzten Arbeitgebers wurde angefordert und wird nach Erhalt nachgereicht. Die Position und Aufgaben sind im Lebenslauf vollständig beschrieben.“
Versprich keine Nachreichung, wenn du noch nicht weißt, ob und wann du das Dokument erhältst. Frage bei der zuständigen Stelle nach, ob eine Arbeitgeberbestätigung, ein Zwischenzeugnis oder ein anderer Nachweis genügt.
Bewerbung aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis
Wenn du noch beschäftigt bist, liegt möglicherweise kein Endzeugnis vor. Ein aktuelles Zwischenzeugnis kann deine Aufgaben und Leistungen dokumentieren, ohne das Ende des Arbeitsverhältnisses zu behaupten.
Fordere ein Zwischenzeugnis nur an, wenn es für deine berufliche Situation sinnvoll ist. Du kannst dich auch ohne dieses Dokument bewerben und im Lebenslauf deine aktuelle Tätigkeit, Aufgaben und Erfolge konkret beschreiben.
Verwende keine vertraulichen internen Dokumente als Ersatz für ein Zeugnis. Eine kurze Tätigkeitsbeschreibung oder ein öffentlich belegbares Projektergebnis kann die Bewerbung ergänzen.
Praktikum, Ausbildung und Nebenjob
Praktikumszeugnisse sind besonders für Berufseinsteiger wertvoll, wenn sie zur Zielstelle passen. Auch ein Zeugnis aus einer Ausbildung oder einem Nebenjob kann relevante Fähigkeiten zeigen, etwa Kundenkontakt, Organisation, Service oder technische Grundlagen.
Sortiere diese Nachweise nach ihrer Bedeutung, nicht nur nach ihrem Alter. Bei einer Bewerbung für eine Ausbildung stehen Schulzeugnisse und Praktikumsbescheinigungen meist stärker im Vordergrund. Bei einer Fachposition sind qualifizierte Arbeitszeugnisse häufig wichtiger.
Weitere Hinweise für die Auswahl deiner Bildungsnachweise findest du unter Zeugnisse in der Bewerbung.
Arbeitszeugnis vor dem Versand prüfen
Öffne jedes Zeugnis vor dem Versand und kontrolliere, ob es vollständig und lesbar ist. Prüfe insbesondere Name, Arbeitgeber, Tätigkeitszeitraum, Position und Aufgaben. Wenn du einen Fehler findest, kläre ihn möglichst mit dem früheren Arbeitgeber, bevor du das Dokument einreichst.
- Sind alle Seiten enthalten?
- Ist das Ausstellungsdatum erkennbar?
- Ist die Unterschrift oder digitale Form korrekt sichtbar?
- Passt der Zeitraum zum Lebenslauf?
- Werden die relevanten Aufgaben genannt?
- Ist das PDF nicht verdreht, unscharf oder beschädigt?
Eine rechtliche Bewertung problematischer Formulierungen sollte bei Bedarf durch eine geeignete Beratungsstelle oder fachkundige Person erfolgen. Allgemeine Online-Notenlisten ersetzen keine Einzelfallprüfung.
Kritische oder unklare Formulierungen
Ein Zeugnis muss klar und verständlich sein. Wenn du eine Formulierung nicht einordnen kannst oder das Dokument widersprüchlich wirkt, lies den gesamten Zusammenhang und vergleiche ihn mit deinen Aufgaben. Einzelne Wörter dürfen nicht isoliert als sichere Schulnote interpretiert werden.
Frage den früheren Arbeitgeber sachlich nach einer Korrektur, wenn objektive Angaben falsch sind. Bei ernsthaften rechtlichen Fragen solltest du qualifizierte Beratung einholen. Im Bewerbungstext solltest du ein strittiges Zeugnis nicht vorschnell abwerten oder ausführlich kommentieren.
Füge keine selbst geschriebenen Erklärungen an das Zeugnis an, wenn der Arbeitgeber oder das Portal dies nicht verlangt. Eine kurze sachliche Erläuterung im Anschreiben reicht meist aus.
Ausländische Arbeitszeugnisse
Bei ausländischen Arbeitszeugnissen kann eine Übersetzung sinnvoll oder verlangt sein. Prüfe, ob die empfangende Stelle eine beglaubigte Übersetzung benötigt. Das Originaldokument und die Übersetzung sollten dieselben Arbeitgeber, Zeiträume und Tätigkeiten erkennen lassen.
Wenn das Zeugnis aus einem anderen Land keine direkte deutsche Entsprechung hat, beschreibe die Position im Lebenslauf zusätzlich verständlich. Eine kurze Erklärung der Rolle kann helfen, ersetzt aber keine verlangte Übersetzung.
Reihenfolge und digitale Dateien
Bei einer Gesamt-PDF stehen Anschreiben und Lebenslauf normalerweise vor den Anlagen. Innerhalb der Zeugnisse kannst du das aktuellste relevante Dokument zuerst einordnen und danach ältere oder ergänzende Nachweise folgen lassen.
Bei getrennten Uploadfeldern lädst du jedes Zeugnis in die passende Kategorie. Verwende klare Dateinamen wie Mustermann_Arbeitszeugnis_MusterGmbH.pdf und prüfe Dateigröße, Lesbarkeit und Seitenreihenfolge.
Ein Anlagenverzeichnis kann bei vielen Dokumenten helfen. Bei wenigen Zeugnissen reicht häufig eine klare Reihenfolge. Mehr dazu findest du unter Anlagenverzeichnis in der Bewerbung.
Beispiele für eine sinnvolle Auswahl
| Bewerbung | Sinnvolle Auswahl | Warum |
|---|---|---|
| Junior Personalreferent | aktuelles qualifiziertes Zeugnis, Zeugnis mit HR-Aufgaben, relevante Weiterbildung | Belegt Personalpraxis und aktuelle Kenntnisse |
| Werkstudent im Kundenservice | passendes Nebenjobzeugnis, Praktikumszeugnis, relevante Sprachbescheinigung | Zeigt Kundenkontakt und Verlässlichkeit |
| Quereinstieg in Projektassistenz | älteres Zeugnis mit Organisationsaufgaben, aktuelles Zwischenzeugnis, Projektzertifikat | Verbindet bisherige und neue Aufgaben |
| Berufseinstieg | Praktikumszeugnisse, Ausbildungs- oder Hochschulzeugnis | Ersetzt fehlende lange Berufspraxis durch erste Nachweise |
Die Tabelle ist eine Orientierung. Die konkrete Auswahl hängt immer von der Stellenausschreibung, deinem Profil und den tatsächlich vorhandenen Dokumenten ab.
Häufige Fehler bei Arbeitszeugnissen
- Alle Zeugnisse werden ungeordnet und ohne Bezug zur Stelle verschickt.
- Ein aktuelles Zwischenzeugnis wird fälschlich als Endzeugnis bezeichnet.
- Das Zeugnis passt zeitlich nicht zum Lebenslauf.
- Ein fehlendes Zeugnis wird verschwiegen, obwohl es in der Anzeige verlangt wird.
- Die PDF ist unvollständig, unlesbar oder enthält private Zusatzseiten.
- Ein sehr altes oder fachfremdes Zeugnis verdrängt relevante Nachweise.
- Eine strittige Formulierung wird im Anschreiben ausführlich verteidigt.
- Originale werden versendet, obwohl Kopien oder PDFs ausreichen.
Eine gute Anlagenmappe ist selektiv. Relevanz und Lesbarkeit sind wichtiger als die größtmögliche Anzahl von Dokumenten.
Checkliste für deine Zeugnisse
- Welche Zeugnisse verlangt die Stellenanzeige ausdrücklich?
- Welches Dokument belegt deine wichtigste relevante Erfahrung?
- Ist das aktuellste Zeugnis beigefügt, wenn es zur Stelle passt?
- Hast du Zwischenzeugnis und Endzeugnis korrekt unterschieden?
- Sind Zeitraum, Position und Aufgaben in Lebenslauf und Zeugnis konsistent?
- Ist ein fehlendes Zeugnis transparent als nachzureichen gekennzeichnet?
- Sind ausländische Dokumente und Übersetzungen vollständig?
- Sind Dateien lesbar, korrekt benannt und in der richtigen Reihenfolge?
- Hast du vertrauliche oder irrelevante Unterlagen entfernt?
Für die komplette Bewerbung kannst du zusätzlich die Checkliste für Bewerbungsunterlagen verwenden.
Häufige Fragen zum Arbeitszeugnis
Wie viele Arbeitszeugnisse soll ich mitschicken?
So viele wie für die Stelle relevant und verlangt sind. Häufig reichen das aktuelle oder letzte qualifizierte Zeugnis und wenige ergänzende Nachweise.
Muss ich jedes alte Arbeitszeugnis beilegen?
Nein. Ein älteres Zeugnis kann sinnvoll sein, wenn es eine besonders relevante Aufgabe belegt. Eine vollständige Sammlung ist nicht automatisch erforderlich.
Kann ich mich ohne Arbeitszeugnis bewerben?
Ja. Gib die Beschäftigung im Lebenslauf an und reiche vorhandene Nachweise ein. Wenn ein relevantes Zeugnis noch aussteht, frage nach einer erlaubten Nachreichung oder weise kurz darauf hin.
Was ist der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Zeugnis?
Das einfache Zeugnis beschreibt mindestens Art und Dauer der Tätigkeit. Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzlich Angaben zu Leistung und Verhalten.
Darf ich ein Zwischenzeugnis mitschicken?
Ja, wenn du noch beschäftigt bist und das Zwischenzeugnis für die Stelle relevant ist. Es sollte im Lebenslauf und in der Bewerbung klar als Zwischenzeugnis bezeichnet werden.
Was mache ich bei einem problematischen Zeugnis?
Prüfe zuerst den vollständigen Zusammenhang und kläre objektive Fehler mit dem früheren Arbeitgeber. Bei rechtlichen Fragen ist fachkundige Beratung sinnvoll.
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Diese Beiträge helfen dir bei der Auswahl und Prüfung deiner Anlagen:
- Abschlusszeugnis oder Zwischenzeugnis: Was gehört in die Bewerbung?
- Anlagen in der Bewerbung: Reihenfolge und richtige Auswahl
- Anlagenverzeichnis in der Bewerbung: Ist es noch notwendig?
- Zeugnisse in der Bewerbung: Welche Dokumente gehören dazu?
- Bewerbungsunterlagen prüfen: Die wichtigste Checkliste
Zusammengefasst: Wähle Arbeitszeugnisse nach Relevanz, Aktualität und Vorgaben der Stelle aus. Ein qualifiziertes Zeugnis kann Aufgaben, Leistung und Verhalten belegen; ein Zwischenzeugnis ist der passende Nachweis bei einer laufenden Beschäftigung. Fehlende Dokumente solltest du transparent und sachlich behandeln.
Quellen: § 109 Gewerbeordnung: Zeugnis und Bundesagentur für Arbeit: Bewerbungsunterlagen.
